Alberta
Das Land
Alberta ist die westlichste der drei
kanadischen Prärieprovinzen. Die Provinz liegt zwischen dem 49. und 60.
Breitengrad. Von Norden nach Süden gemessen ist sie 1.217 km lang. Die
Distanzen zwischen Ost und West liegen zwischen 293 und 650 Kilometer. Mit
einer Bodenfläche von 661.185 km² ist Alberta fast doppelt so groß wie die
Bundesrepublik Deutschland.
Etwa
die Hälfte des südwestlichen Provinzteils wird vom Hochgebirge und vom
Vorgebirge eingenommen, eindrucksvollen Hinterlassenschaften der
Gletscher, deren Vordringen und Rückzug in Millionen Jahren diese
Landschaft geformt haben. Die in Alberta gelegenen Gipfel der Rocky
Mountains sind zwischen 2.130 m bis 3.747 Meter hoch.
Das Vorgebirge ist das Bindeglied
zwischen Gebirge und der Prärielandschaft, mit dicht bewaldeten Regionen
und Weideland, auf dem Vieh grast. Unter der Oberfläche des Vorgebirges
liegen etliche der reichsten Kohle- und Erdgasvorkommen der Provinz.
Die übrigen rund 90 Prozent der
Bodenfläche Albertas sind Teil der großen Ebenen Nordamerikas. Dazu
gehören die bewaldeten Gebiete, die im Nordteil der Provinz überwiegen,
und die weiträumigen Landstriche des Nordmoores, das einen Großteil der
Lagerstätten von Erdöl, Erdgas und Teersand überdeckt.
Das Klima Albertas ist kontinental.
Lange, kalte Winter und milde bis heiße Sommer halten sich die Waage. Die
Zahl der Sonnentage ist, unabhängig von der Jahreszeit, ungewöhnlich hoch.
Im Winter bedeckt Kaltluft die Provinz, doch im Südwesten wird sie häufig
durch den "Chinook" überlagert, einem milden Wind, der vom Pazifik her
durch das Gebirge hereinströmt.
Geschichte
Indigene
Völker, deren Vorfahren vermutlich vor Jahrtausenden von Asien über die
Bering-See gekommen sind, waren die ersten Bewohner Albertas.
Indianervölker der Blackfoot, Blood, Piegan, Cree, Gros Ventre, Sarcee,
Kootenay, Beaver und Slavey mit ihren vielfältigen Dialekten der Athpaskan-
und Algonkian-Sprache waren die einzigen Bewohner der damals weiträumigen
Wildnis.
Diese frühen Bewohner Albertas, vor
allem die in den Wäldern der mittleren und nördlichen Region lebenden
Stämme, wurden von den europäischen Pelzhändlern, die im 18. Jahrhundert
hierher kamen, als Partner geschätzt. Als erster europäischer
Forschungsreisender erkundete 1754 Anthony Henday das heutige Alberta.
Peter Pond von der North West Company
richtete hier 1778 den ersten Pelzhandelsposten ein. Die Hudson's Bay
Company dehnte ihren Machtbereich allmählich bis weit in den Norden
Nordamerikas bis Rupert's Land und die Nordwest-Territorien aus sowie bis
zu der Region, die das heutige Alberta ausmacht. Seit dieser Zeit stritten
sich die Hudson's Bay Company und die Nord West Company über die
Vormachtstellung in der Region und machten sich mit ihren
Pelzhandelsstationen Konkurrenz. Erst die Fusion der beiden Unternehmen im
Jahre 1821 machte dieser Rivalität ein Ende.
Bei ihren Expeditionen entdeckten Henry
Youle Hind und John Palliser, daß es in Teilen dieser Region, besonders im
fruchtbaren und sehr trockenen Landstrich nördlich des Palliser-Dreiecks,
ausnehmend gutes Farmland gab. Daraufhin beschlossen die Briten, die
Nutzungslizenz für die Hudson's Bay Company nicht zu verlängern. 1870
übernahm das Dominion of Canada das Nordwest-Territorium und verwaltete es
von der neuen Provinz Manitoba aus.
Als die Eisenbahn 1883 Alberta erreichte,
wuchs die Bevölkerung rasch an. Weitere Ursachen für den eindrucksvollen
Bevölkerungszuwachs war die Entdeckung neuer Weizensorten, die für das
Klima der kanadischen Prärie besonders geeignet waren sowie der Mangel an
neuem Farmland in den Vereinigten Staaten. Hinzu kam, daß die Zeit der
Depression in ganz Nordamerika zuende ging.
Am l. September 1905 wurde Alberta,
benannt nach Prinzessin Louise Caroline Alberta, der vierten Tochter von
Königin Victoria, zu einer kanadischen Provinz mit der Hauptstadt
Edmonton. Sie bestand aus dem Distrikt Alberta sowie Teilen der Distrikte
von Athabasca, Assiniboia und Saskatchewan.
Bevölkerung
Wer die Herkunft der 2,7 Millionen
Menschen, die heute in Alberta leben, erforschen will, muß bei den
indigenen Völkern der Provinz beginnen und erreicht schließlich jede
Stelle auf dem Globus. Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts bildete
die Urbevölkerung den größten Teil der Bevölkerung der Provinz. Erst
danach wurde sie zahlenmäßig von den einströmenden Europäern überflügelt.
1881 lebten in der Region, die später zur Provinz Alberta wurde, kaum mehr
als eintausend Menschen, die nicht von den Ureinwohnern abstammten. Zehn
Jahre später lebten hier bereits 17.500 Menschen. Die Einwanderer kamen
aus vielen Ländern. Sie folgten dem Ruf der kanadischen Regierung, die in
den Jahren zwischen 1890 und 1920 große Anstrengungen unternahm, um die
Einwanderung und mit ihr die landwirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Als diese Einwanderungsbewegung 1921 zu Ende ging, war die Bevölkerung
Albertas auf 584.454 Menschen angewachsen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
veränderte sich das Einwanderungsmuster. Von den 60er Jahren an kamen die
Immigranten aus der ganzen Welt, aus den Anrainerstaaten des Pazifiks
ebenso wie aus Asien, und der Karibik. Heute sind noch knapp 44 Prozent
der Bewohner Albertas britischer Herkunft. Weitere große ethnische Gruppen
sind deutscher, ukrainischer, französischer, skandinavischer oder
niederländischer Abstammung. Indianischer Herkunft und Métis waren 1991
rund 150.000 Menschen. Das restliche Bevölkerungsviertel der Provinz setzt
sich aus kleineren ethnischen Gruppierungen zusammen, die praktisch aus
jedem Land der Welt stammen. Die überwiegende Mehrheit der
Provinzbevölkerung spricht Englisch. Die meisten Religionen sind in der
Provinz vertreten.
Zwei
Drittel der Bewohner Albertas sind jünger als 40 Jahre. Die Provinz hat
damit eine der jüngsten Bevölkerungen der Industrieländer. Ein Grund dafür
ist in der hohen Zuwanderung aus anderen Provinzen sowie aus dem Ausland
zu sehen, die Alberta in den vergangenen 25 Jahren erlebt hat. Fast 80
Prozent der Provinzbewohner leben in städtischen Wohngebieten, über die
Hälfte allein in den beiden größten Städten Edmonton (840.000), der
Provinzhauptstadt, und Calgary (900.000).
Wirtschaft
Albertas Landwirtschaft gehört zu den
produktivsten weltweit. Wertmäßig erwirtschaftet sie 20 Prozent des
jährlichen kanadischen Gesamtertrages. Fast 22 Millionen Hektar an
bewirtschaftetem und unbewirtschaftetem Land werden als Weideland und für
den Anbau von Viehfutter genutzt. Wichtigste Erntepflanze ist immer noch
der Weizen, doch der Anbau anderer Getreidesorten weitet sich mit der
Diversifizierung des landwirtschaftlichen Produktionsangebots aus.
Albertas Viehbestand ist der größte in ganz Kanada.
Alberta ist Kanadas Energieprovinz, mit
über 80 Prozent der Erdölvorkommen, mehr als 90 Prozent der
Erdgasvorkommen sowie dem kanadischen Gesamtvorkommen an Bitumen und
Teersand. Der Erdöl- und Erdgasbereich hat sich mit Erfolg auf die stark
schwankenden Weltmarktpreise der 80er Jahre eingestellt und sowohl die
Produktions- wie die Betriebskosten deutlich gesenkt.
Mehr
als die Hälfte der Provinz (350.000 km²) ist bewaldet. 216.000 km² dieses
Waldbestandes mit seinen verschiedenen Nadel- und Laubbaumsorten gelten
als wirtschaftlich produktives Waldland.
Gemessen am Umsatz und an der Zahl der
Beschäftigten sind der Nahrungsmittel- und der Getränkesektor in Alberta
die größten Zweige der verarbeitenden Industrie. Mit der zunehmenden
wirtschaftlichen Diversifizierung der letzten Jahre gewinnen aber auch die
Petrochemie, die Kunststoffindustrie, die holzverarbeitende Industrie
sowie Metallverarbeitung, Werkzeugbau und die Raffinerien an Bedeutung.
Überdies werden auch andere Industriegüter - darunter Flugzeuge,
Transporteinrichtungen, Industrie- und Spezialchemikalien - in Alberta
hergestellt.
Im Dienstleistungssektor werden mehr als
60 Prozent des Bruttoinlandproduktes der Provinz erwirtschaftet. Mehr als
zwei Drittel der in Alberta Beschäftigten arbeiten im Gewerbe- und
Finanzbereich, im Verkehrswesen, im Einzelhandel, im Gesundheits- und
Bildungssektor sowie im Tourismus. Ihren Besuchern bietet die Provinz eine
Vielzahl von Sehenswürdigkeiten.
Auf
die Rocky Mountains und die berühmten Nationalparks von Banff und Jasper
ist man in Alberta besonders stolz.
Die
Fähigkeiten der Cowboys werden in Rodeos zur Schau gestellt, eine für den
Westen Kanadas typische Sportart. In zahlreichen kleinen Orten dieser
Regionen gibt es alljährlich solche Veranstaltungen, wobei die Calgary
Stampede eine weltberühmte Hochburg des Rodeo darstellt. Wenn in Calgary jeder Bewohner mit weißem Cowboyhut zur Arbeit im Büro kommt, ist es
wieder soweit: Zeit für die Calgary Stampede.